Der Wanderriese Waldenur und die Nixe vom Neckargrund

September18.1 025

 

Der Wanderriese Waldenur und die Nixe vom Neckargrund

Die Personen:

Waldenur – der Wanderriese
Willdessa – die Flussnixe
Birnebil – der Birnbaumgeist
Birnebella – die Frau des Birnbaumgeistes
Sadur – ein alter Flusspirat
Das Gänseblümchen

Die Geschichte:

Waldenur wandert am Neckar lang. „Nicht jammern und nicht klagen, nicht drauf hören, was die Menschen sagen.“ Waldenur erinnert sich gerne an die alten Zeiten, wo ein Wanderriese unter den Menschen hoch geschätzt wurde. So ist es heute nicht mehr. Die Menschen wollen seine Geschichten nicht hören, nichts über Weisheit, Liebe oder Freundschaft. Er findet seine Energie nicht angenommen und genauso wenig kann er Energie von den Menschen aufnehmen. Es gibt ein paar wenige unter ihnen, ein paar Kinder und ein paar Bunte. So nennt er sie, sie strahlen bunt.
Ansonsten sieht er wenig Strahlung.
Er wandert durch die Wälder und versucht Tiere und Naturwesen zu trösten.
„Haltet durch für unsere Erde, unsere Mutter.“
Er hat sich einen Wanderspruch angewöhnt, einen Leitspruch:
„Wanderriesen haben einen großen Hut und verbreiten frohen Mut.“

Da hört er ein Wimmern und ein Klagen. „Hallo, ist da ein Mensch mit schwerem Herz?“ „Nein, hallo Waldenur, hier ist Birnebil. Ich bin so traurig. Sie ist fort, meine geliebte Birnebella ist nicht mehr bei mir. Sie flog einem Vogel hinterher. Eines Tages zog es sie weg von mir. So muss es gewesen sein. Doch das Schlimmste ist, sie ist verloren auf dem Neckargrund bei Sadur.“

Sadur. Sadur vom Neckargrund. Eine traurige Berühmheit. Eine solcher Berühmheiten, die es heute viele gibt. Sie glänzen und glitzern. Er zieht sie runter auf den Neckargrund und saugt sie aus. Da liegen sie ohne Kraft. Er glitzert noch ein wenig und dann zeigt er seine bösartige Seite. Sadur, ein ehemaliger Flusspirat. Die Flusspiraterie machte ihn böse und als er das Messer im Bauch hatte von einem anderen Flusspiraten, zog er nicht in den Himmel, sondern runter auf den Neckargrund. Was soll man sagen, ein Opfer seiner Selbst. Nun lebt er von der Energie anderer.

„Birnebil, du weißt, das ist zu viel. Hör auf zu trauern um deine verlorene Birnebella. Sie wollte weg fliegen und nun ist sie verloren.“
Waldenur hat sich angewöhnt, die Leute mit der Wahrheit zu trösten. Birnebil ist sein Freund und einen Freund belügt man nicht.
Schluchz, „Waldenur bitte, du bist weise, du bist groß und du bist mein Freund. Versuche es, hole Birnebella zurück.“
„Kein zurück, Birnebil, gibt es für deine Frau, das weißt du genau. Du kommst mir vor wie die Menschen, die jammern und klagen über ungelöste Fragen. Wenn die Frage gelöst wird, geht das Jammern und Klagen weiter. Birnebil hast du kein anderes Ziel? Birnebil, du kannst so viel. Deine Birnen geben Saft, geben auch den Menschen wieder Kraft.“

Dieser ewige Kreislauf. Nun ist der Birnbaum auch noch depressiv. Nur weil seine dumme Frau mit einem Vogel weg flog. Verloren ist sie, ausgesaugt auf dem Neckargrund. Doch Birnebil ist kerngesund.
Es würde Waldenur nicht wundern, wenn nun auch noch die Birnen verderben würden vor lauter Traurigkeit.

Waldenur geht zum Neckarufer und ruft Wildessa. Die schöne Flussnixe kommt sofort. „Waldenur, wie schön, ich liebe dich mein Freund.“
„Wildessa, kannst du mir sagen, wie es Birnebella geht.“
„Oh na klar, das ist schnell gesagt. Sie liegt da, bleich und ausgesaugt auf dem Neckargrund.
Nicht gerade schön der Anblick. Das ist das Geschick, wenn man sich von Sadur einfangen lässt.
So dumm kann auch nur eine Birne sein.“
„Wildessa, du kannst doch etwas für sie tun, hole sie da weg und hauche ihr Energie ein. Bitte Wildessa, Birnebil ist mein Freund.“
„Er soll sie vergessen, dein Birnebil, es ist besser für ihn. Wer einmal geht, der kommt nicht wieder.“

„Wildessa, bitte versuche es.“
„Gut Waldenur, wenn du mich küsst.“
„Wildessa, du weißt, ich küsse nicht.“
„Doch, du hast das Gänseblümchen geküsst.“
„Oh diese Geschichte. Sie ist vorbei, wir passten nicht zusammen. Ich werde sie aber nie verraten, diese Liebe, ich küsse nicht mehr.“
„Waldenur, du hättest dir eine Sonnenblume aussuchen sollen. Die sind größer und etwas kräftiger.“
„Wildessa, so war es nicht und so wird es nicht mehr sein. Es ist die Wahrheit meines Lebens und diese Wahrheit macht mich frei.“

Das versteht Wildessa nicht. Aber das macht nichts. Sie muss nicht alles verstehen, aber sie will ihrem Freund helfen. Freundschaft ist wichtig, auch ohne Kuss.

„Gut ich versuche es. Ich rufe sie dreimal.
Sie kann selber entscheiden.“
Wenn eine Nixe 3 Mal ruft auf dem Neckargrund, dann kann ein verstorbener Flusspirat nichts dagegen ausrichten.

Birnebella wachte schon vom ersten Ruf auf. Sie spürte einen Energiestoß und richtete sich auf.
Als sie die Nixe sah, geschah folgendes. Sie schrie, „Nixe lass das sein, du störst meine Ruhe.“
So geschah es drei Mal. Birnebella war wütend, sie wollte ihre Ruhe, ihren bequemen energielosen Schlaf.
Wildessa verzog sich.

Sie kam zu Waldenur ans Flussufer.

„Waldenur, ich hab‘s versucht. Es ist wie bei den Menschen, lieber bleiben sie unten auf dem Grund, als etwas zu tun für unsere Gemeinschaft mit unserer Mutter Erde.“
„Sag es Birnebil und sag ihm, er möge leckere Birnen für die Lebenslust produzieren.
Sag ihm, was die Wahrheit ist.“

„Waldenur und noch eins, vergiss es nicht. Ich liebe dich.“

Das ist das Ende der Geschichte.

Susanne Feix
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2 Antworten zu Der Wanderriese Waldenur und die Nixe vom Neckargrund

  1. zuckerrohr schreibt:

    „Sag es Birnebil und sag ihm, er möge leckere Birnen für die Lebenslust produzieren.
    Sag ihm, was die Wahrheit ist.“

    Dann produzieren wir jetzt am besten auch etwas für die Lebenslust 🙂
    Danke für diese interessante und tolle Geschichte. Sie hat mich sehr erfreut und „Hunger“ auf
    mehr gemacht. In der Erzählung kann man richtig versinken. Ein Märchen eben, und die verzaubern mich schon immer, denn sie sind dem Leben oft so nah. VG Petra

    Gefällt 2 Personen

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